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Warum wir ein Verlag mit Kopf, Herz und Hand sein wollen.

Wir stehen mitten in einer Verlagslandschaft, die zunehmend stärker von Marktmächten bestimmt wird, gegen die sich durchzusetzen immer schwerer fällt. Wir alle spüren den Verwertungs- und den Erfolgsdruck immer stärker. Für die kreative Entwicklung von Stoffen, für das Gespräch mit Autorinnen und Autoren, Gestaltern und Druckern bleibt immer weniger Zeit und Raum. Lassen Sie mich darüber ein paar Worte verlieren.

Ich unterscheide gern zwischen den Kopf-, Herz- und Hand-Verlegern. Die Herzverleger sind begeisterungsfähig, beweisen aber nicht immer unbedingt geschäftliches Talent. Die Kopfverleger haben durchaus auch Herz, aber noch mehr als dieses haben sie kommerziellen Verstand. Die Handverleger haben kaum oder gar kein Herz; sie betreiben Verlage als Rechenmaschinen und zeigen große Fähigkeiten, das Geld im Sinne konzern-bilanzieller Erfordernisse umzuschlagen. Sie „bewegen“ sehr viel, aber kaum gesteuert von Emotionen oder Inhalten, noch weniger von Vernunft.

Es gibt natürliche begnadete „Mischtypen“, und diese sind die eigentlichen, die wahren Verleger unserer Zeit. Ihre Zahl nimmt konstant ab, und die Trauer darüber mag in den Feuilletons nicht verstummen. Die Konzernherren aber lesen keine Traueranzeigen.

Ich rede hier nicht nur von den sogenannten literarischen Verlagen, die bei aller demonstrierten Geschäftstüchtigkeit immer auch noch eine gewisse Beharrlichkeit gegen die zunehmende Egalisierung der Programme erkennen lassen. Es sind keine Dinosaurier, denn sie werden nie aussterben, wohl aber eine bedrohte Spezies.

Die Zukunftsfähigkeit meines kleinen Verlages hängt ganz jedenfalls wesentlich davon ab, ein Gleichgewicht zwischen Kopf, Herz und Hand herzustellen. Vergessen wir vor allem nicht das Herz! In den großen Verlagen wird die immer schwächer werdende Verbindung zu den „Inhalten“ zunehmend öfter und heftiger beklagt. Aber es fehlen inzwischen alle Instrumente, um dieser kreativen Verödung entgegenzuwirken. Die Programmleiter und Lektoren – angehalten, das Marketing immer mitzubedenken, wenn nicht mitzugestalten – sind von den kreativen Prozessen längst abgekoppelt, gestalten sie zumindest nicht in wünschenswertem Maße. Sie sind weitgehend zu Schaltstellen, zu Relais-Stationen verkommen, eine in manchen Verlagen als irgendwie lästig empfundene, aber notwendige Spezies, damit die zu verwertenden Manuskripte überhaupt in die Produktion kommen. Und von der zumindest ein paar brauchbare Textvorlagen für die große Vorschau-Vertreter-Kampagnenmaschine erwartet werden.

Hinter diesen ironischen Formulierungen versteckt sich eine bittere Wahrheit: die schleichende Auszehrung der Programmarbeit als „Herz-Arbeit“. Ein Verlagsprogramm ist heute viel mehr als früher eine hochdiffizile Angelegenheit, ein ständiges Austarieren, Schwerpunktesetzen, Profilieren und Zuordnen, bis am Ende eine stimmige Saison daraus wird, die das Erfolgspotential in vollem Umfang ausschöpfen kann.

Obwohl durchaus mit Köpfchen bei der Sache und auch – hoffentlich – mit Händchen für Erfolg, verstehe ich meine Programmarbeit in erster Linie als Herz-Arbeit: Eine Welt aus schönen Büchern. Kein Mensch schreibt, macht, verlegt und verkauft Bücher, weil er damit Marktanteile oder Renditen erreicht. „Literatur“, meinte Hans-Joachim Gelberg richtig, „entsteht nicht, weil es einen Markt gibt – sie entsteht, weil Autoren schreiben.“ Gute Bücher können nur aus Überzeugung geschrieben und verlegt werden. Ohne Respekt für dieses Handwerk mit Herz und Verstand entstehen seelenlose Druckwerke, die niemanden ansprechen.

Der Thiele Verlag ist eine kleine Ideenmanufaktur, eine feine Bücherwerkstatt, in der ein hoch motiviertes Team mit spürbarer Begeisterungsfähigkeit an Büchern arbeitet, die ein „Gesicht“ haben, die unaustauschbar sind und die Sortiment, Presse und Publikum als überzeugend empfinden können.